Risikomanagementsysteme gemäß W 1001 des DVGW (WSP)< zurück

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Methode des Risikomanagements nach DVGW-Hinweis W 1001

In der Fortschreibung der WHO-Leitlinien für Trinkwasserqualität (3. Ausgabe, 2004) wird die Umsetzung des Water Safety Plan (WSP) empfohlen. Der Water Safety Plan basiert auf dem HACCP-Konzept, einem prozessorientierten Risikomanagementsystem.

Die systematische Vorgehensweise zum Aufbau eines prozessorientierten risikobasierten Systems ist im DVGW-Hinweis W 1001 „Sicherheit in der Trinkwasserversorgung“ beschrieben. Mittlerweile wurde auch die TSM-Prüfung des DVGW um entsprechende Fragen zur Umsetzung eines prozessorientierten Managementsystems erweitert. Seit Ende 2013 wurde das Thema mit der DIN EN 15975-2 auch in die Reihe der DIN-Normen aufgenommen.

Das TZW unterstützt Wasserversorgungsunternehmen beim Aufbau eines solchen risikobasierten prozessorientierten Managementsystems. Die Projektschritte werden dabei in enger Abstimmung mit dem beteiligten Versorgungsunternehmen durchgeführt. Basis für die Bewertung von Maßnahmen und Korrekturen zur Risikobeherrschung sind die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) sowie die allgemein anerkannten Regeln der Technik. Die Gefährdungs- und Risikoanalyse werden in ihrem Umfang und Detaillierungsgrad den Erfordernissen vor Ort angepasst.

In die Projektbearbeitung sind Experten unterschiedlicher Fachrichtungen aus dem interdisziplinär besetzten Projektteam des TZW eingebunden (Geoökologen, Hydrologen, Mikrobiologen, Chemiker, Ingenieure). Je nach Datenlage können zusätzlich unterschiedliche Instrumentarien, etwa Geographische Informationssysteme (GIS) oder bestimmte Monitoringstrategien und –techniken eingesetzt werden.

Bei der Erarbeitung und Einführung eines Risikomanagement­systems nach dem DVGW-Hinweis W 1001 „Sicherheit in der Trinkwasserversorgung“ werden am TZW Gefährdungen und Risken für die Trinkwasserversorgung systematisch erfasst und bewertet. Die Vorgehensweise gliedert sich in folgende Schritte:

1. Bestandsaufnahme:
Beschreibung und Darstellung des gesamten Versorgungssystems vom Einzugsgebiet bis zum Verbraucher mit Definition der kritischen Punkte, Analyse der Betriebsweise und Systemleistungsfähigkeit. Hierzu erfolgen Vor-Ort-Termine zur Bestandsaufnahme und Dokumentation der Situation vor Ort.

2. Gefährdungsanalyse:
Im Rahmen der Gefährdungsanalyse werden im untersuchten Versorgungssystem Gefährdungen in Verbindung mit den die Gefährdung auslösenden Ereignissen erfasst, die die Trinkwasserqualität oder die Versorgungssicherheit beeinträchtigen können.

3. Risikoabschätzung:
In diesem Schritt werden das Schadensausmaß und die Eintrittswahrscheinlichkeit für die identifizierten Gefährdungen abgeschätzt. Zur vergleichenden Bewertung der Risiken wird eine Risikomatrix angelegt, die auch eine Priorisierung der Risiken ermöglicht.

4. Maßnahmen zur Risikobeherrschung, Validierung und Korrekturmaßnahmen:
Hierbei erfolgt eine Bestandsaufnahme der bestehenden technischen oder organisatorischen Maßnahmen zur Risikobeherrschung, eine Validierung der Maßnahmen durch Prüfung auf fachgerechte Umsetzung und die Optimierung der Maßnahmen bzw. deren Überwachung. Bestehende Korrekturmaßnahmen werden erfasst und bewertet. Falls erforderlich und gewünscht können auch detaillierte Arbeitsanweisungen erstellt werden.

5. Dokumentation:
Die Ergebnisse werden in einer Dokumentationsmatrix festgehalten; ggf. kann darin auch auf weitere bereits bestehende Dokumentationen (z.B. Handbücher, Verfahrens- oder Arbeitsanweisungen usw.) verwiesen werden.

6. Verifizierung und Revision:
Der Nachweis, dass mit den gewählten Maßnahmen die gesetzten Ziele und die erforderliche Versorgungssicherheit erreicht werden (Verifizierung), wird durch geeignete Kontrollen und organisatorische Schritte erbracht, die festzulegen sind. In diesem Projektschritt werden zudem gemeinsam Überlegungen zu maßgeschneiderten Revisionszyklen angestellt.


Veröffentlichungen zum Thema:

  • Sturm, S.; Kiefer, J.; Wehle, E. (2015): Handeln ohne Handlungsspielraum! Eine neue Betrachtung für Wasserversorger zur Risikobeherrschung im Einzugsgebiet von Trinkwasserressourcen. In: DVGW energie | wasser-praxis (02), S. 62–69.

  • Brauer, F.; Bethmann, D.; Kaupe, M.; Schiffmann, S. (2015): Risikomanagement für ein Kölner Wasserwerk. In: DVGW energie | wasser-praxis (6/2015)

  • Schmoll, O.; Bethmann, D.; Sturm, S.; Schnabel, B. (2014): Das Water-Safety-Plan-Konzept für kleine Wasserversorgungen in Deutschland - Ein Handbuch zur praktischen Umsetzung. 117 Seiten, Umweltbundesamt, Berlin (März)

  • Sturm, S.; Kiefer, J.; Bethmann, D.; Brauer, F.; Kaupe, M.; Schiffmann, S. (2014): Umsetzung des DVGW-Hinweises W 1001 in einem Wasserwerk der RheinEnergie, Köln. gwf-Wasser|Abwasser 155/3, 340 - 348 (2014)

  • Sturm S. (2013): Praxiserfahrungen zum Risikomanagement in Wasserschutzgebieten. 18. TZW-Kolloquium. Handlungsstrategien bei sich ändernden Rahmenbedingungen. Veröffentlichungen aus dem Technologiezentrum Wasser Karlsruhe; 60, 19-46. (2013) Nr. 60.

  • Bethmann, D. (2011): Risikomanagement – Anforderungen an Wasserversorgungsunternehmen. DVGW energie | wasser-praxis 62; 7/8 2011, 48-50.
  • Sturm, S. (2010): Risikomanagement in Einzugsgebieten. Ansätze zur Umsetzung und Beispiele aus der Praxis. In: TZW (Hrsg., 2010): Konzepte für eine zukunftsfähige Wasserversorgung. Veröffentlichungen aus dem Technologiezentrum Wasser Karlsruhe 45, 1-11.

  • Sturm, S. (2010): Risikomanagement in Einzugsgebieten von Wasserwerken. FORUM GEOÖKOL. 21 (3), 2010. 13-18

  • Sturm, S. (2010): Risk Management - Tools and experiences in Source Water Protection. IAWD/IAWR-Symposium “Water Resources Protection and Risk Management in River Basins”; 3/4 November 2010, Vienna; IAWR/IAWD Symposium Proceedings

  • Sturm, S. & Kiefer, J. (Juni 2010): Risikomanagement im Ressourcenschutz. DVGW energie|wasser-praxis 06/2010 (61); ISSN 1436-6134; S. 12-18

  • Bethmann, D. (2009): Risikomanagement - aktuelle Anforderungen an Wasserversorgungsunternehmen. TZW (Hrsg.): Fragestellungen bei der Wasserverteilung vom Wasserwerk bis zum Zapfhahn. Veröffentlichungen aus dem Technologiezentrum Wasser 44, 1-12. (Dezember 2009).

  • Bethmann, D. (Juni 2009): Sichere Trinkwasserversorgung. TZW aktuell - Nachrichten aus dem Technologiezentrum Wasser Karlsruhe 26, 3. (als Download unter Publikationen - Newsletter - TZW | Technologiezentrum Wasser)

  • Sturm S. (Sept. 2008): Fallstudie zur GIS-basierten Risikoanalyse bei der Trinkwasserversorgung. DVGW energie | wasser-praxis 59, 91-92.

  • Sturm S. (Mai 2008): Fallstudie zur GIS-basierten Risikoanalyse bei der Trinkwasserversorgung. TZW aktuell - Nachrichten aus dem Technologiezentrum Wasser Karlsruhe 24, 2-3. (als Download unter Publikationen - Newsletter - TZW | Technologiezentrum Wasser)

  • Beuken R., Sturm S., Kiefer J., Bondelind M., Astrom J., Lindhe A., Machenbach I., Melin E., Thorsen T., Eikenbrokk B., Niewersch C., Kircher D., Kozisek F., Weyessa D., Swartz C. (2007): Identification and description of hazards for water supply systems - A catalogue of today's hazards and possible future hazards. Kiwa WR (Hrsg.): Deliverable Number D4.1.1 / D4.1.2. TECHNEAU.

  • Sturm S, (Okt. 2007): Application of GIS in risk assessment - Contribution of TZW to "Guide to Integrated Risk Assessment of Drinking Water Systems" (Draft 23.10.07). TECHNEAU.

  • Bethmann D., Baus C., Castell-Exner C. (April 2006): Das WHO Water Safety Plan-Konzept. DVGW energie | wasser-praxis 4, 58-62. Hambsch B. (Dez. 2004): Water Safety Plans / HACCP. Qualitätssicherung in der Wasseraufbereitung. Veröffentlichungen aus dem Technologiezentrum Wasser 25, 81-87. Karlsruhe, TZW.

  • Baldauf G., Böckle K., Hambsch B., Kiefer J., Lipp P., Müller U., Sturm S. (2003): Neuartige Kriterien zur Beurteilung der Notwendigkeit und Art von Aufbereitungsanlagen bei Vorliegen mikrobiell belasteter Rohwässer. Technologiezentrum Wasser (TZW) Karlsruhe (Hrsg.): Veröffentlichungen aus dem Technologiezentrum Wasser 19. Karlsruhe.

  • Sturm S., Kiefer J. 2002: Bewertung der Vulnerabilität von Grundwasservorkommen. Technologiezentrum Wasser (TZW) Karlsruhe (Hrsg.): Aktuelle Themen bei der Trinkwassergewinnung. Veröffentlichungen aus dem Technologiezentrum Wasser 7[6], 79-96. Karlsruhe

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