Anforderungen an Gleitmittel und Investigations on the influence of slip additives during installation of new pipesMontagehilfsmittel (2005-2007)< zurück

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Gleitmittelreste in einer PVC-Muffe nach 24 h unter Wasser und einstündiger Spülung.

DVGW-Forschungsvorhaben W6/01/04

Erarbeitung der Anforderungen an Gleitmittel und Montagehilfsmittel für die Wasserversorgung

Wenn Pseudomonas aeruginosa im Leitungsnetz auftritt, ist die Bekämpfung in der Regel sehr langwierig und schwierig. Häufig ist der Eintrag der Bakterien ins Netz auf Bauarbeiten zurückzuführen. Deshalb fordern einige Gesundheitsämter bei der mikrobiologischen Untersuchung von neuverlegten Rohrleitungen neben der standardmäßigen bakteriologischen Kontrolle auf E. coli, coliforme Bakterien und Koloniezahlen auch zusätzlich die Untersuchung auf Pseudomonas aeruginosa, wobei diese in 100 mL nicht nachweisbar sein sollen. Diese Anforderung wird in vielen Fällen bei der Erstuntersuchung nicht eingehalten. Als eine mögliche Ursache wurden u. a. die eingesetzten Gleitmittel und Montagehilfsmittel sowie deren nicht fachgerechte Anwendung in Erwägung gezogen.

Im Rahmen eines DVGW-Forschungsvorhabens (W6/01/04) werden deshalb die Anforderungen an Gleitmittel und andere Montagehilfsmittel für die Wasserversorgung durch die Entwicklung einer praxisrelevanten Prüfvorschrift erarbeitet. Die Zielsetzung ist dabei, nur solche Gleitmittel und Montagehilfsmittel zuzulassen, die bei fachgerechter Anwendung nach den üblichen Spülmaßnahmen keinen negativen Einfluss auf das hindurchfließende Wasser haben, weder in Bezug auf Geruch und Geschmack noch in Bezug auf die mikrobiologische Qualität.

Als Laborversuche wurden Versuche zur Löslichkeit, zur Abspülbarkeit und zur Förderung des Pseudomonas aeruginosa-Wachstums durchgeführt. Zusätzlich wurde eine Vorgehensweise wie bei der Feststellung der TOC-Migration gemäß KTW überprüft, wobei zunächst eine 24-Stunden-Ruhendwasserlagerung erfolgte und anschließend Elutionen über 3 x 3 d durchgeführt wurden. Die so gewonnenen Eluate wurden anschließend auf ihre Wachstumsförderung für Pseudomonas aeruginosa untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Ergebnisse nach Ruhendwasserlagerung vergleichbar ausfallen wie die Direktuntersuchung, d. h., es tritt je nach Gleitmittel eine starke Förderung oder Hemmung des Pseudomonas aeruginosa-Wachtums auf. Nach den 3 dreitägigen Elutionen traten jedoch keine Unterschiede zwischen den Ergebnissen mit und ohne Gleitmittel mehr auf. Daraus konnte geschlossen werden, dass bei ausreichendem Kontakt des Spülwassers mit dem Gleitmittel (entspricht Wasserwechsel im Laborversuch) nach der Spülung kein verstärktes Pseudomonas aeruginosa-Wachstum mehr auftreten würde.

Untersuchungen mit Muffen an einer halbtechnischen Versuchsanlage zeigten jedoch, dass die Gleitmittel bei nicht fachgerechter Anwendung (Aufbringung auch auf die trinkwasserberührte Muffenseite) diese durch übliche Spülmaßnahmen nicht entfernt wurden: nach 24 h unter Wasser und 1 h Spülung mit 0,5 m/s waren noch Gleitmittelreste vorhanden (siehe Bild). Bei vor-schriftsmäßiger Auftragung werden die Gleitmittel dagegen in den nicht trinkwasserberührten Teil der Muffe geschoben. Weitergehende Untersuchungen werden derzeit noch durchgeführt und damit die Grundlage für eine praxisrelevante Prüfvorschrift geschaffen.

Publikation:

  • Hambsch, B.:
    Gleitmittel im Rohrleitungsbau.
    Veröffentlichungen aus dem Technologiezentrum Wasser, Band 50, S. 111-118 (2011).
  • Hambsch, B., Klinger, J.:
    Anforderungen an Gleitmittel für die Wasserversorgung. DVGW energie/wasserpraxis (59), 9, S. 47- 50, September 2008.

Ansprechpartner

Dr. Beate Hambsch

Tel.: +49(0)721/9678-220
Fax: +49(0)721/9678-101
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Förderung

DVGW

Projektdauer

2005-2007