Pseudomonas aeruginosa in Trinkwassersystemen< zurück

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Wachstum von P. aeruginosa in Trinkwasser bei verschiedenen Temperaturen.
Pseudomonas aeruginosa in Trinkwassersystemen – Wachstumsansprüche und nachhaltige Gegenmaßnahmen

Von Juli 2011 bis Juli 2014 wurde ein vom DVGW gefördertes Forschungsvorhaben zu Pseudomonas aeruginosa durchgeführt.

Das Umweltbakterium Pseudomonas aeruginosa zählt zu den wichtigsten fakultativen Krankheitserregern. In der Praxis tritt dieser Mikroorganismus häufiger nach Baumaßnahmen im Trinkwassernetz, in neu verlegten Trinkwasserleitungen, in Krankenhäusern und in neu errichteten Trinkwasser-Installationen auf. Herkömmliche Beseitigungsmaßnahmen sind oftmals nicht nachhaltig. Bisher lag kein umfassendes Prozessverständnis zum Verhalten von Pseudomonas aeruginosa in Trinkwassersystemen vor, so dass sich dementsprechend oftmals keine zielgerichteten Maßnahmen ableiten ließen.

Im Rahmen dieses DVGW-Forschungsprojektes wurden daher die Wachstumsansprüche von Pseudomonas aeruginosa und Maßnahmen zur Beseitigung untersucht. Der Schwerpunkt lag hierbei auf der Beurteilung der Vermehrung im Wasserkörper und auf unterschiedlichen Materialien. Darüber hinaus wurden die Auswirkungen von Desinfektions- und Spülmaßnahmen überprüft.

Die umfangreichen Untersuchungsreihen zeigten, dass sich Pseudomonas aeruginosa in Reinkultur in Trinkwasser erheblich vermehren kann. Durch eine gleichzeitig vorhandene autochthone Mischbiozönose tritt jedoch ein deutlicher Konkurrenzeffekt ein, so dass die Vermehrung von Pseudomonas aeruginosa bei 20 °C deutlich niedriger ausfiel als in einer Reinkultur. Bei niedrigeren Temperaturen von 10 °C und 15 °C wurde die Vermehrung von Pseudomonas aeruginosa durch die autochthone Mischbiozönose fast völlig unterdrückt.

Die Untersuchung einer Bandbreite verschiedener Materialklassen zeigte, dass alle Materialoberflächen durch Pseudomonas aeruginosa in kurzer Zeit erheblich besiedelt werden, wobei auf Dichtmaterialien die stärkste Besiedlung erfolgte. Ein bereits vorhandener Trinkwasserbiofilm führt gegenüber neuen Materialoberflächen zu einer geringeren Besiedlungsdichte für Pseudomonas aeruginosa. Die Konzentration an Pseudomonas aeruginosa auf den Oberflächen nahm im Durchfluss allmählich ab, wobei jedoch eine sehr lange Nachweisbarkeit gegeben war.

Bei der Untersuchung von Desinfektionsmaßnahmen zeigte sich, dass die Desinfektionsmittel Chlor und Chlordioxid auch gegen Pseudomonas aeruginosa in der Wasserphase wirksam sind. Auch auf Materialoberflächen ist mit Ausnahme der untersuchten Dichtmaterialien bzw. Materialien ohne generelle W 270-Zulassung durch die Desinfektionsmittel in der Regel eine gute Wirksamkeit gegeben. Durch Spülmaßnahmen konnte keine Beseitigung von Pseudomonas aeruginosa auf Oberflächen erreicht werden.

Veröffentlichungen zum Thema:

  • Hambsch, B., Hügler, M., Korth, A., Petzoldt, H.: Pseudomonas aeruginosa in Trinkwassersystemen - Wachstumsansprüche und nachhaltige Gegenmaßnahmen. DVGW energie/wasser praxis 67, Nr.5, S. 98-106 (2016).
  • Hambsch, B., Hügler, M., Korth, A., Petzoldt, H.: Pseudomonas aeruginosa in Trinkwassersystemen - Wachstumsansprüche und Gegenmaßnahmen. Veröffentlichungen aus dem Technologiezentrum Wasser, Band 73, S. 1-100 (2016).
  • Hambsch, B., Hügler, M.: Pseudomonas aeruginosa in Trinkwasser-Installationen: Ursachenforschung und Gegenmaßnahmen. Management & Krankenhaus kompakt, Hygiene, S. 17 (2015).

Ansprechpartner

Dr. Beate Hambsch

Tel.: +49(0)721/9678-220
Fax: +49(0)721/9678-101
E-MailVisitenkarte downloaden

Förderung

DVGW

Forschungsvorhaben W 6/02/09

Projektdauer

2011-2014