Risikomanagement für Wasserschutzgebiete< zurück

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TZW-Konzeptmodell zur Risikoabschätzung im Einzugsgebiet
DVGW-Forschungsvorhaben W1/01/10

Im Jahr 2013 wurde das DVGW-F&E-Vorhaben W1-01-10 „Risikomanagement für Wasserschutzgebiete“ nach einer Laufzeit von Juli 2011 bis August 2013 abgeschlossen. Neben dem Zweckverband Landeswasserversorgung als Koordinator, den beteiligten Wasserversorgungsunternehmen badenova AG & Co. KG, Gelsenwasser AG, HAMBURG WASSER und Stadtwerke Düsseldorf AG waren als Forschungsstellen die Universität Stuttgart sowie die TZW-Abteilung Grundwasser und Boden im Projektverbund vertreten.

Ziel des Vorhabens war es, Erfahrungen und Methoden zur Umsetzung eines risikobasierten und prozessorientierten Managements in Wasserschutzgebieten zu gewinnen. Der Ressourcenschutz mittels Wasserschutzgebieten ist der erste und wichtigste Baustein des Multi-Barrieren-Prinzips der Trinkwasserversorgung.

Im Forschungsprojekt lag der Schwerpunkt auf der Erfassung von Gefährdungspotentialen und der Risikoabschätzung. Als Projektergebnis wurde zum einen die Vorgehensweise zur systematischen Gefährdungsanalyse aufgezeigt sowie ein qualitativer Ansatz zur Risikoabschätzung in drei Ausführungen für Wasserschutzgebiete mit höherem bzw. niedrigen Erkundungsgrad sowie ein quantitativer Ansatz für Wasserschutzgebiete mit numerischem Grundwassermodell entwickelt und an konkreten Wasserschutzgebieten getestet.

Einer der Schwerpunkte der TZW-Projektarbeiten lag auf der Entwicklung eines qualitativen Ansatzes zur Risikoabschätzung für Wasserschutzgebiete mit geringer Datenlage, so dass WVUs auch für Gebiete mit wenigen Erkenntnissen ein Risikomanagement für ihre WSG aufbauen können. Bei der Gefährdungsanalyse wird von bestehenden Informationen ausgegangen. Eine lokal hochaufgelöste Erfassung von Gefährdungen ist nicht erforderlich. Da Schadensausmaß und Eintrittswahrscheinlichkeit in der Regel mangels Daten nicht bekannt sind, können diese bei dem Ansatz über Expertenmeinungen, Regelwerksangaben o. ä. bestimmt und ggf. aus statistischen Daten, Betreibererfahrungen oder eigenen qualifizierten Abschätzungen hergeleitet werden.

Ein weiterer Ansatz, an dessen Entwicklung und Test das TZW maßgeblich mitwirkte, stellt die Kombination aus qualitativem und quantitativem Ansatz dar. Das Schadensausmaß wird dabei über ein Punktbewertungsverfahren und die Eintrittswahrscheinlichkeit als Faktor ausgedrückt. Das Ausgangsrisiko am Ort des Entstehens wird über eine Multiplikation von Schadensausmaß und Eintrittswahrscheinlichkeit berechnet. Das Risiko am Brunnen (Risiko für das Rohwasser) wird über eine Multiplikation aus der Vulnerabilität des Grundwassers und der Vulnerabilität des Rohwassers berechnet, bei der Brunnenvulnerabilitätskriterien aus den simulierten Durchbruchskurven der numerischen Modellierung eingehen.

Mit Hilfe der neu entwickelten Methoden ist es möglich, Gefährdungen in Wasserschutzgebieten praxistauglich und systematisch zu erfassen und zu bewerten. Die Einzelrisiken lassen sich priorisieren, so dass pro Sektor die größten Risiken im Gebiet identifiziert werden können. Somit liegt eine Rangfolge vor, anhand der die zu ergreifenden Managementmaßnahmen ableitbar werden.

Die vier im Projekt insgesamt getesteten Ansätze und alle in diesem Projekt gesammelten Erkenntnisse mündeten in dem neuen Beiblatt 2 (DVGW W 1001 – B2 (M): Risikomanagement für Einzugsgebiete von Grundwasserfassungen zur Trinkwassergewinnung), das seit März 2015 den DVGW-Hinweis W 1001 ergänzt.

Ansprechpartner

Dipl.-Geoökol. Sebastian Sturm
Karlsruher Straße 84
76139 Karlsruhe
Deutschland

Tel.: +49(0)721/9678-207
Fax: +49(0)721/9678-102
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Projektpartner

  • ZV Landeswasserversorgung (Koordination)
  • badenova AG & Co. KG
  • Gelsenwasser AG
  • HAMBURG WASSER
  • Stadtwerke Düsseldorf AG
  • Universität Stuttgart
  • TZW Karlsruhe