Bewertung von Spülverfahren für Trinkwasserleitungen< zurück

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Modellnetz DN 100

Die Spülung des Trinkwassernetzes mit dem Ziel Ablagerungen auszutragen, stellt einen wichtigen Schritt zur Sicherung der Wasserbeschaffenheit bei der Wasserverteilung dar. Da es sich bei der Spülung um eine aufwändige Maßnahme handelt, ist diese möglichst effizient und zielgerichtet durchzuführen. Im DVGW-Regelwerk gibt es bisher keine konkreten Empfehlungen, welches Spülverfahren für welche Problemstellung optimal einsetzbar ist. Um diese Lücke zu schließen, wurde das Themengebiet „Spülverfahren für Trinkwasserleitungen“ im Rahmen von drei DVGW-Forschungsprojekten unter der Projektnummer W6/01/07 umfangreich bearbeitet.

Im Teilprojekt I wurden die theoretische Grundlagen der in der Praxis verwendeten Spülverfahren sowie die Erfahrungen von Wasserversorgungsunternehmen beim Einsatz unterschiedlicher Spülverfahren aufgearbeitet.

Im Teilprojekt II wurden die Wasserspülung mit Netzdruck, die Saugspülung und die Luft-Wasserspülung an Modellnetzen unterschiedlicher Dimensionen konkrete untersucht. Im Ergebnis wurden die Prozessvorgänge der Mobilisierung unterschiedlicher Klassen von Ablagerungen in Abhängigkeit vom Spülverfahren identifiziert sowie die Einsatzmöglichkeiten der Spülverfahren definiert.

Im Teilprojekt III wurden die Spülverfahren systematische Wasserspülung mit Netzdruck, Saugspülung und Luft-Wasserspülung in einem realen Trinkwassernetz hinsichtlich der Nachhaltigkeit, bezogen auf die Spülintervalle zur Vermeidung von Braunwasser durch leicht mobilisierbare Ablagerungen, untersucht.

Die Ergebnisse lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  • Grundsätzlich sollte für einen Austrag von Ablagerungen aus Trinkwassernetzen systematisch nach einem Spülplan, mit klarer Wasserfront, vorgegangen werden. Der Spülplan ist vor der Spülmaßnahmen zu entwickeln.
  • Für die weitgehende Entfernung typischer, leicht mobilisierbarer Ablagerungen (Eisen- und Manganverbindungen) aus Trinkwasserleitungen sollten Spülgeschwindigkeiten ≥ 0,5 m/s erreicht werden.
  • Zur Entfernung von Sand und Manganpartikeln aus Leitungen sind Fließgeschwindigkeiten von > 1 m/s erforderlich. Hierbei wird das Austragsverhalten maßgeblich von der Position des Hydranten an bzw. auf der Leitung beeinflusst.
  • Haftenden Belägen aus Eisen- bzw. Manganverbindungen werden durch eine Wasserspülung mit Geschwindigkeiten bis 2 m/s nur unvollständig entfernt. Eine etwas höhere Entfernungsleitung kann möglicherweise durch einen intermittierenden Pumpenbetrieb bei der Saugspülung erreicht werden. Die Luft-Wasserspülung weist aufgrund der auftretenden hohen Schleppspannungen durch eine impulsartige Luftzugabe eine höhere Reinigungsleistung als die Wasserspülverfahren auf.
  • Das verwendete Spülverfahren hat bei den typischen, leicht mobilisierbaren Ablagerungen keinen Effekt auf die Nachhaltigkeit der Maßnahme, da die Systembedingungen im Verteilungsnetz die Geschwindigkeit der Bildung von Ablagerungen bestimmen.

Publikationen

Korth, A.; Donath, O.: Spülverfahren für Trinkwasser.

Aqua&Gas, Nr. 11, 2015. S. 42 - 47

Donath, O.; Korth, A.: Bewertung von Spülverfahren für Trinkwasserleitungen.

TZW-Schriftenreihe, Band 69, Dezember 2015

Ansprechpartner

M.Sc. Dipl.-Ing. (FH) Olaf Donath
Wasserwerkstr. 2
01326 Dresden
Deutschland

Tel.: +49(0)351/85211-40
Fax: +49(0)351/85211-10
E-MailVisitenkarte downloaden
Dr. rer. nat. Andreas Korth
Wasserwerkstr. 2
01326 Dresden
Deutschland

Tel.: +49(0)351/85211-54
Fax: +49(0)351/85211-10
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Laufzeit

01.05.2012 bis 31.07.2015

Förderung

DVGW-Vorhaben W 6/01/07