Optimierung des Netzbetriebs im Hinblick auf die Verhinderung der Aufkeimung bei der Wasserverteilung< zurück

Qualitätsveränderung bei der Aufbereitung und Verteilung von Trinkwasser aus reduzierten Grundwässern, Teilprojekt II

Der insbesondere in den neuen Bundesländern deutliche Rückgang des Wasserverbrauchs in den vergangenen Jahren führt bei der Wasserverteilung zur Veränderung der Randbedingungen. So kommt es im Verteilungssystem u.a. zur Verlängerung der Verweil- und Stagnationsdauer, Veränderung der hydraulischen Bedingungen und u.U. zur Erhöhung der Wassertemperatur im Sommer. Da die bei der Trinkwasserstagnation ablaufenden bakteriologischen Prozesse sowie die Einflussfaktoren der Aufkeimung im Detail nicht bekannt waren, wurde in einem im Jahr 2000 begonnenen und 2002 abgeschlossenen DVGW-Forschungsvorhaben die bakteriologischen Vorgänge gezielt bei der Stagnation untersucht. Stagnationen wurden sowohl bei normalem Netzbetrieb als auch nach Desinfektionsmaßnahmen und Spülungen durchgeführt. Ziel des Vorhabens war die Entwicklung von Strategien zur Verhinderung der Aufkeimung bei der Verteilung von Trinkwässern aus reduzierten Grundwässern ohne den Einsatz chemischer Desinfektionsmittel.

Die Untersuchungen wurden in Verteilungssystemen der Lausitzer Wasser GmbH & Co. KG (LWG) und der Stadtwerke Hannover AG durchgeführt. Während der Stagnationsphase erfolgten regelmäßig Koloniezahlbestimmungen nach TrinkwV, auf R2A-Agar (KZR2A) und Gesamtzellzahlbestimmungen (GZZ). Zusätzlich wurde der AOC sowie das Wachstumspotenzial der koloniebildenden Bakterien und die Zusammensetzung der organischen Wasserinhaltsstoffe mittels gelchromatographischer Auftrennung (LC-OCD Verfahren) bestimmt.

Bei der überwiegenden Anzahl der Stagnationen bei normalem Netzbetrieb war keine Zunahme der Koloniezahl nach TrinkwV festzustellen. Jedoch kam es in einigen Fällen mit der Stagnationsdauer zum Anstieg der KZR2A und der GZZ. Die Bakterienzunahme wurde hierbei primär von der Wassertemperatur beeinflusst. Aufkeimungserscheinungen mit koloniebildenden Bakterien nach TrinkwV traten jedoch während der Stagnation von desinfiziertem Wasser sowie nach Wasserspülungen von Leitungsabschnitten mit erhöhten Ablagerungen auf.

Im Ergebnis des Forschungsvorhabens ergeben sich folgende Strategien zur Verhinderung von Aufkeimungserscheinungen in Stagnations- und Endstrangbereichen:

1. Verzicht auf den Einsatz einer chemischen Desinfektion
Chemische Desinfektionsmittel können durch die Oxidation organischer Wasserinhaltsstoffe zur Bildung biologisch leicht verwertbarer Verbindungen führen, die nach der Zehrung des Desinfektionsmittels den Bakterien als Nährstoffquelle dienen, wodurch letztlich Aufkeimungserscheinungen begünstigt werden.

2. Vermeidung starker sporadischer Wasserspülungen von Leitungen mit erhöhten Ablagerungen
Durch starke Spülungen kann es infolge der Sedimentmobilisierung, auch aus vorgelagerten Netzbereichen, zur Freisetzung von Nährstoffen aus den Sedimenten kommen. Die erhöhte Nährstoffkonzentration führt dann zum verstärkten Bakterienwachstum im Stagnationsbereich. Aus diesem Grund sollten Spülungen, die u.a. auch zur Vermeidung von Rostwasserproblemen in metallischen Leitungen notwendig sind, relativ regelmäßig und unter annähernd gleichen Bedingungen erfolgen.

3. Einrichtung eines Dauerabflusses mit geringer Abschlagsmenge
Vor allem dann, wenn Spülungen zu keinem Erfolg führen oder sogar nachteilige Auswirkungen haben, kann eine Verbesserung der Situation durch einen geringen Dauerabschlag erreicht werden.

4. Abwarten
In Leitungen mit längerer Stagnationsdauer (mehrere Wochen) kann, sofern es das Leitungsmaterial erlaubt, abwarten zur Verbesserung der biologischen Situation führen, da, insbesondere bei niedrigem Nährstoffgehalt des Wassers, die Nährstoffe relativ schnell verbraucht werden und aufgrund des Nährstoffmangels die Bakterienkonzentration sukzessive zurückgeht. Vor allem bei den Koloniezahlen nach TrinkwV kommt es häufig zur schnellen Abnahme.

Veröffentlichung

Korth, A.; Wricke, B.: Qualitätssicherung bei der Wasserverteilung

gwf, 150. Jahrgang, Jubiläumsausgabe 2009, S. W2 - W7

Ansprechpartner

Dr.-Ing. Burkhard Wricke
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Tel.: +49 (0)351 / 85211-0
Fax: +49 (0)351 / 85211-10
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Dr. rer. nat. Andreas Korth
Wasserwerkstr. 2
01326 Dresden
Deutschland

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Fax: +49(0)351/85211-10
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Förderung

DVGW

Forschungsvorhaben W 50/99