Risikomanagement von Spurenstoffen und Krankheitserregern in ländlichen Karsteinzugsgebieten (AGRO)

Die Gallusquelle in Hermentingen

Bislang ist es oft schwierig den Ursprung von mikrobiologischen Kontaminationen im Rohwasser zu identifizieren. Mit Hilfe sogenannter „Microbial Source Tracking“- Methoden ist es möglich die Eintragspfade aufzuklären. An einem Modellstandort wurden exemplarische Untersuchungen durchgeführt.

Das Projekt AGRO wurde im Rahmen der BMBF-Maßnahme "Risikomanagement von neuen Schadstoffen und Krankheitserregern im Wasserkreislauf (RiSKWa)" gefördert. Diese Fördermaßnahme wurde initiiert, da die Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen Trinkwasserversorgung eine der großen Herausforderungen für die Zukunft darstellt.

Die Beeinträchtigung der Qualität von Wasservorkommen durch fäkale Verunreinigung stellt ein weltweit bedeutendes Problem in Bezug auf die Gefährdung der Gesundheit des Menschen dar. Mit Hilfe der heute in der Praxis eingesetzten analytischen Methoden ist jedoch eine Unterscheidung zwischen menschlichen und tierischen fäkalen Kontaminationen sowie eine Identifizierung individueller Kontaminationsquellen in der Regel nicht möglich.

Im Rahmen dieses Projektes konnten erfolgreich Werkzeuge zur Identifizierung von fäkalen Eintragsquellen (Microbial Source Tracking, MST) in Rohwässern im Einzugsgebietsmaßstab etabliert werden.

Exemplarische Untersuchungen an einer Karstquelle, die zur Trinkwassergewinnung (Gallusquelle) genutzt wird, zeigten das hohe praktische Potential der Methoden. Es konnten ereignisorientiert Haupteintragsquellen für fäkale Verunreinigung des Rohwassers identifiziert werden. Die Ergebnisse zeigten, dass ein Regenüberlaufbecken, welches an eine Mischkanalisation angeschlossen ist, die wichtigste Quelle für Verunreinigung des Quellwassers in diesem Einzugsgebiet ist. Der Umbau des Überlaufbeckens führte zu einer wesentlichen Verbesserung der Quellwasserqualität. Durch den Umbau konnte sowohl die Anzahl der Überlaufereignisse als auch die eingetragene Menge an fäkalen Bakterien während der einzelnen Ereignisse deutlich reduziert werden. Andere potentielle Eintragspfade, wie z.B. eine Hühner- und Pferdehaltung im Einzugsgebiet, erwiesen sich als weniger relevante Eintragsquellen fäkaler Belastungen.

Veröffentlichungen

Stange C., Tiehm A.: Molekularbiologische Identifizierung fäkaler Eintragsquellen in einem Karst-Einzugsgebiet. Veröffentlichungen aus dem Technologiezentrum Wasser Karlsruhe, ISSN 1434-5765, TZW-Band 65: 35-50 (2014)

Stange C., Yin D., Xu T., Guo X., Schäfer C., Tiehm A.: Distribution of clinically relevant antibiotic resistance genes in Lake Tai, China. Science of the Total Environment 655: 337-346 (2019) DOI 10.1016/j.scitotenv.2018.11.211

Die Bände der TZW-Schriftenreihe können hier bestellt werden.

 

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