Auswertung der Ergebnisse von Legionellenuntersuchungen in öffentlichen Gebäuden< zurück

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Ergebnisse der Untersuchungen von Wasserproben aus Trinkwasser-Installationen auf Legionellen in Abhängigkeit von der gemessenen Wassertemperatur
Legionellen in Trinkwasser-Installationen

Legionellen sind stäbchenförmige, aerobe Bakterien, die laut Infektionsschutzgesetz zu den meldepflichtigen Erregern zählen. Sie kommen ubiquitär in der Umwelt vor und tolerieren Temperaturen von 5°C bis 63°C, wobei ihre Vermehrung hauptsächlich in einem Temperaturbereich von 25°C bis 45°C stattfindet.

Untersuchungen auf Legionellen werden in zentralen Erwärmungsanlagen von Hausinstallationen, aus denen Wasser für die Öffentlichkeit bereitgestellt wird, im Rahmen der periodischen Kontrollen gefordert (Anlage 4, der TrinkwV 2001). Dies betrifft insbesondere Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten, Hotels, Gaststätten und sonstige Gemeinschafts-Einrichtungen. Die allgemein anerkannten Regeln der Technik sind im DVGW-Arbeitsblatt W 551 dargelegt. Zur Bewertung von Legionellen-Kontaminationen wird als Zielwert eine Legionellenkonzentration von weniger als 100 KBE (Koloniebildende Einheiten) pro 100 mL angegeben. Dieser Wert wird auch als technischer Maßnahmewert in die zukünftige überarbeitete Trinkwasserverordnung aufgenommen werden.

Die Ergebnisse der Legionellenuntersuchungen in städtischen Gebäuden (Schulen, Kindergärten und Turnhallen) einer mittelgroßen deutschen Stadt wurden dem TZW für eine detaillierte Analyse zur Verfügung gestellt. In 47 % der in einem Zeitraum von 4 Jahren untersuchten Wasserproben aus Warmwasser-Installationen (insgesamt 660 Proben) wurden Legionellen nachgewiesen. Dabei lagen 26,5 % der Proben über dem technischen Maßnahmewert (>100 KBE/100 mL). In der Graphik ist die Höhe der Legionellenbefunde in Abhängigkeit von den parallel gemessenen Temperaturen dargestellt. Bei Temperaturen von mehr als 55°C wurde lediglich in 7 % der Proben eine Überschreitung des technischen Maßnahmewerts festgestellt. Auch bei Wassertemperaturen von weniger als 25°C war der Anteil an Proben mit mehr als 100 Legionellen pro 100 mL relativ gering (14 %). Im Gegensatz hierzu wurden bei einer Wassertemperatur zwischen 35 und 45°C in 42 % der untersuchten Proben, bei einer Wassertemperatur von 25°C bis 35°C in immerhin 36 % der Proben erhöhte Legionellenkonzentrationen festgestellt. Wenn die Wassertemperatur im für Legionellen optimalen Bereich liegt, kommt es dementsprechend am häufigsten zur Anreicherung von Legionellen in den Trinkwasser-Installationen.

Die vorgestellten Daten aus der Praxis zeigen deutlich, dass die Wassertemperatur einen entscheidenden Einfluss auf die Vermehrung von Legionellen in Trinkwasser-Installationen hat. Wird eine Wassertemperatur von mindestens 55°C eingehalten, so können nur noch selten Legionellen nachgewiesen werden. Insofern sind die betriebstechnischen Anforderungen des DVGW-Arbeitsblattes W 551, in Großanlagen eine Mindesttemperatur von 55°C einzuhalten (60°C am Trinkwasser-Erwärmer, 55°C in der Zirkulation), als sinnvoll und zielführend zur Vermeidung der Vermehrung von Legionellen in Trinkwasser-Installationen anzusehen.

Publikationen:

  • Hügler, M.:
    Übersicht zur Legionellenproblematik. Veröffentlichungen aus dem Technologiezentrum Wasser, Band 44, S. 97-119, Dezember 2009.
  • Hügler, M., Hambsch, B.:
    Erfahrungsbericht zum Vorkommen von Legionellen in öffentlichen Gebäuden. DVGW energie/wasser praxis 62, S. 40-43, Dezember 2011.

Ansprechpartner

Dr. Michael Hügler

Tel.: +49(0)721/9678-222
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