Altlastenbezogene Bewertungs- und Analyseempfehlung für kurzkettige Alkylphenole (SCAP) und NSO-Heterozyklen (NSO-HET)< zurück

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Obwohl NSO-Heterozyklen (NSO-HET) und kurzkettige Alkylphenole (SCAP) ein hohes toxisches Potential besitzen und bei relativer Persistenz gleichzeitig eine hohe Mobilität aufweisen, spielen diese Substanzen bei der Altlastenbearbeitung bislang eine eher untergeordnete Rolle und es existieren noch keine einheitlichen Analyseverfahren. Für die Mehrzahl der Substanzen liegen nur unzureichende Informationen über das Vorkommen an Teeröl-kontaminierten Standorten, ihre human- und ökotoxikologischen Auswirkungen sowie über ihr Umweltverhalten vor. Auf Grund der Bedeutung der NSO-HET und der SCAP als potentiell Umwelt- und Trinkwasser-gefährdende Schadstoffe und der mangelhaften Datenlage, waren die Erhebung von Felddaten zum Vorkommen sowie weitere ökotoxikologische Untersuchungen für eine Priorisierung unerlässlich.

Zunächst wurde eine GC/MS-Analysemethode nach flüssig/flüssig-Extraktion zur Analyse der NSO-HET sowie ausgewählter SCAP weiter entwickelt. Ziel war die Erfassung eines gegenüber der aktuellen Analytik erweiterten Spektrums an NSO-HET. Das Analyseverfahren erwies sich als robust und ist für 40 NSO-HET, für die bizyklischen Aromaten Inden und Indan sowie für 22 SCAP etabliert (siehe Abschlussbericht Modul 2). Die Validierung war für definierte Testlösungen sowie für Umweltproben erfolgreich.

Für die ökotoxischen Analysen wurden 11 ausgewählte NSO-HET, Indan und Inden, 18 SCAP und 4 Realstoffgemische untersucht. Die aquatische Toxizität der Substanzen wurde mit dem folgenden Spektrum an toxikologischen Verfahren ermittelt, die unterschiedliche Trophiestufen und toxikologische Wirkungen repräsentieren: Fische, Kleinkrebse, Grünalgen und Bakterien. Dazu wurden europaweit genormte Tests eingesetzt. Die Tests wurden durch eine chemische Analytik der Testsubstanzen begleitet, um Verluste durch Verflüchtigung und Sorption während der Durchführung zu erfassen und die Toxizität bezogen auf die Realkonzentrationen zu ermitteln. Die so ermittelten EC50-Werte (halbmaximale Effektkonzentration) lagen für alle untersuchten Einzelsubstanzen unter Berücksichtigung des jeweils empfindlichsten Tests in den Größenordnungen 0,1 - 10 mg/L und sind damit toxikologisch ähnlich einzustufen wie die in der Altlastenbearbeitung bereits routinemäßig untersuchten PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) und BTEX-Aromaten.

Basierend auf den neu erhobenen ökotoxikologischen Daten sowie auf Literaturdaten, der biologischen Abbaufähigkeit und dem Transportverhalten der Stoffe wurde eine Stoffbewertung vorgenommen. Das Vorkommen der Stoffe und ihre Ausbreitung in der Fahne an Altablagerungen/ Altstandorten wurden anhand konkreter Felddaten beurteilt. Schließlich wurde in Abstimmung mit dem Projektträger aus der Stoff- und Standortbewertung eine aktualisierte Prioritär-Liste aus 16 NSO-HET (siehe Tabelle) sowie Inden und Indan abgeleitet. Zur vollständigen Erfassung eines möglichen Gefährdungspotenzials wird die Untersuchung aller 18 ökotoxikologisch untersuchten SCAP empfohlen (siehe Abschlussbericht Modul 3). Für die SCAP ist der analytische Aufwand vergleichsweise gering und es ergaben sich nur geringe Unterschiede in der Stoff- und Standortbewertung.

AnsprechpartnerIn

Dipl.-Geol. Axel Müller

Tel.: +49(0)721/9678-223
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Förderung

Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern

im Rahmen des Länderfinanzierungsprogramms "Wasser, Boden und Abfall"

Projektdauer

2010 - 2014