Desinfektion von Trinkwasser-Installationen unter besonderer Berücksichtigung des Warmwasserbereichs< zurück

Ziel des vom DVGW und 6 Firmen geförderten Forschungsvorhabens war es, auf der Grundlage von objektkonkreten Untersuchungen die Möglichkeiten und Grenzen der Desinfektion des Trinkwassers in der Trinkwasser-Installation aufzuzeigen und auf dieser Grundlage Empfehlungen zum Einsatz zu erarbeiten.

Im Rahmen des Vorhabens wurden Untersuchungen in fünf Objekten durchgeführt, in denen Desinfektionsanlagen am Projekt beteiligter Firmen im Einsatz waren. Zudem wurden die Betriebsdaten aus fünf weiteren Objekten mit kontinuierlicher Desinfektionsmitteldosierung in der Trinkwasser-Installation ausgewertet. Schwerpunkte ergänzender Laborversuche waren die Erfassung des Einflusses der Temperatur auf die Desinfektionsmittelzehrung, die Desinfektionsnebenproduktbildung sowie die Messung der Desinfektionsmittelkonzentration und die Wirkung der chemischen Desinfektion auf Legionellen.

Aus den Ergebnissen der Untersuchungen wurden folgende Schlussfolgerungen und Handlungs-empfehlungen zum Einsatz der Desinfektion in der Trinkwasser-Installation abgeleitet:

  • Eine kontinuierliche Desinfektionsmitteldosierung kann bei einer vorhandenen Legionellenkontamination in der Installation die Sanierung der Installation nicht ersetzen.
  • Die Dosierung chemischer Desinfektionsmittel im Warmwasserbereich ist dann sinnvoll, wenn die Temperatur in dem kontaminierten System zu niedrig ist und kurzfristig nicht erhöht werden kann (z.B. bei unzureichender Leistung des Trinkwassererwärmers bzw. unzureichender Dämmung des Leitungssystems). In diesen Fällen kann durch die Desinfektionsmitteldosierung eine Verringerung der Belastung erwartet werden, wobei der erreichbare Effekt von den Systembedingungen und der Desinfektionsmittelkonzentration beeinflusst wird.
  • Eine wesentliche Voraussetzung für die Wirkung des Desinfektionsmittels in der Installation ist die Sicherung der Zirkulation in allen Steigleitungen. Hierzu ist ein Abgleich erforderlich. Zusätzlich kann eine wirksame Reinigung der Installation mit anschließender Anlagendesinfektion vorteilhaft sein.
  • Um im Warmwasser eine ausreichende Wirkung zu erreichen, ist die Dosierung von bis zu 0,5 mg/l Chlordioxid erforderlich. Bei der Dosierung von > 0,2 mg/l Chlordioxid muss mit einer Überschreitung des Chloritgrenzwertes gerechnet werden. Bei Überschreitung des Grenzwertes ist eine Ausnahmegenehmigung durch das Gesundheitsamt erforderlich. Diese kann nur zeitlich befristet erteilt werden. Bei der Dosierung von Chlor kann es zur Überschreitung des THM-Grenzwertes kommen. Das gilt insbesondere bei einer Dosierung in Abhängigkeit von einer vorgegebenen Chlorkonzentration in der Zirkulation. Auch in diesem Fall ist eine Ausnahmegenehmigung für die zeitlich befristete Überschreitung des Grenzwertes erforderlich. Die Messung der Desinfektionsnebenproduktkonzentration sollte im Warmwasserrücklauf erfolgen.
  • Die Dosierung chemischer Desinfektionsmittel im Kaltwasserbereich kann bei Legionellenkontaminationen als Folge von erhöhten Temperaturen sinnvoll sein, wenn die Probleme nicht kurzfristig durch die Realisierung von Spülplänen, mit denen ein regelmäßiger Wasseraustausch an wenig genutzten Zapfstellen gesichert wird, beseitigt werden können. Auf jeden Fall sind die Maßnahmen zur Sicherung des Wasseraustausches an wenig genutzten Zapfstellen auch mit Inbetriebnahme der Dosierung fortzuführen.
  • Im Kaltwasserbereich wird zur Bekämpfung von Legionellenkontaminationen mit Desinfektionsmittelkonzentrationen von 0,2 bis 0,3 mg/l Chlor bzw. 0,1 bis 0,2 mg/l Chlordioxid, bei Messung an den Zapfstellen nach Ablassen bis zur Temperaturkonstanz, gefahren. In Abhängigkeit von der Art und Konzentration der natürlichen Wasserinhaltsstoffe erfordert die Einhaltung dieser Konzentrationen eine deutlich höhere Dosierung. Die Bildung von Desinfektionsnebenprodukten sollte deshalb auch beim Einsatz der kontinuierlichen Desinfektion im Kaltwasserbereich überprüft werden. Ggf. ist auch hier eine Ausnahmegenehmigung erforderlich. Die Messung der Nebenproduktkonzentration im Kaltwasserbereich sollte an einer Zapfstelle aus der Stagnationsprobe erfolgen.
  • Maßgebend für die Wirkung des Desinfektionsmittels ist die Konzentration im System. Dabei ist zu beachten, dass in Abhängigkeit von der Temperatur auch eine Zehrung des Desinfektionsmittels im Trinkwassererwärmer bzw. in den Warmwasserspeichern erfolgt. Im Warmwasser ist dabei eine schnellere Zehrung des Desinfektionsmittels zu verzeichnen, so dass zur Einhaltung einer erforderlichen Konzentration höhere Zugabemengen als im Kaltwasser erforderlich sind. Wird nur in das Kaltwasser am Hausanschluss dosiert, kann dies zu relativ hohen Desinfektionsmittelkonzentrationen im Kaltwasser führen. Vorteilhafter erscheint deshalb, je nachdem ob eine Kalt- und/oder Warmwasserkontamination vorliegt, eine zusätzliche oder ausschließliche Dosierung in den Warmwasservorlauf und/oder die Kaltwasserzuspeisung zum Trinkwassererwärmer.
  • Bei Ausfall bzw. Störung der Desinfektionsmitteldosierung muss mit einem schnellen Anstieg der Legionellenbelastung gerechnet werden. Die Überwachung der Desinfektionsmittelkonzentration ist deshalb von entscheidender Bedeutung. Sie sollte, wenn möglich, kontinuierlich als online-Messung im Vor- und Rücklauf erfolgen. Bei der Messung von Chlordioxid im Warmwasser ist der Temperatureinfluss zu beachten. Bis eine geeignete Messtechnik zur Verfügung steht, kann eine Temperaturkorrektur der Messwerte vorgenommen werden. Unabhängig von der Temperaturkorrektur werden Änderungen in der Desinfektionsmittelkonzentration auf jeden Fall erfasst.
  • Für die Desinfektionsmitteldosierung sollten quasikontinuierlich arbeitende Dosierpumpen verwendet werden. Der Einsatz von Mischern ist vorteilhaft und sollte bei großen Dosiermengen (bei großen Durchflüssen) bzw. bei geringen Fließgeschwindigkeiten in der Leitung zur Verhinderung einer verstärkten Korrosion aufgrund lokal auftretender höherer Desinfektionsmittelkonzentrationen auf jeden Fall erfolgen. Unabhängig davon ist zu beachten, dass in der Installation Materialien verbaut sein können, die eine höhere Empfindlichkeit gegenüber Desinfektionsmitteln aufweisen. Eine Schädigung ist deshalb auch bei einer zeitlich befristeten Desinfektionsmitteldosierung nicht auszuschließen.
  • Aus den Ergebnissen der durchgeführten Untersuchungen lassen sich keine Aussagen darüber ableiten, ob der Betrieb einer vorher kontaminierten Trinkwasser-Installation nach erfolgreicher Sanierung bei niedrigeren Temperaturen unter Beibehaltung der Desinfektionsmitteldosierung möglich ist. Voraussetzung ist auf jeden Fall ein hydraulischer Abgleich, der auch bei niedrigeren Temperaturen ausreichend genau ist. Auf keinen Fall darf bei einer vorhandenen Kontamination mit Beginn der Desinfektionsmitteldosierung die Temperatur im Warmwasserbereich gesenkt werden.

Veröffentlichungen

Wricke, B.; Petzoldt, H.: Desinfektion in Trinkwasser-Installtionen unter besonderer Berücksichtigung des Warmwasserbereiches - Ergebnisse von Untersuchungen in der Praxis. TZW-Schriftenreihe Band 49, 2011

Wricke, B.; Petzoldt, H.: Desinfektion in der Trinkwasser-Installation - Ergebnisse von Untersuchungen in der Praxis. ewp 7/8, 2011, S. 52 - 57

Ansprechpartner

Dr.-Ing. Burkhard Wricke
Wasserwerkstr. 2
01326 Dresden
Deutschland

Tel.: +49 (0)351 / 85211-0
Fax: +49 (0)351 / 85211-10
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Dr. rer. nat. Heike Petzoldt
Wasserwerkstr. 2
01326 Dresden
Deutschland

Tel.: +49(0)351/85211-33
Fax: +49(0)351/85211-10
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Laufzeit

01.08.2008 bis 30.06.2010

Förderung

DVGW

Forschungsvorhaben W 10/01/08