Silikontenside und Rohwasserressourcen< zurück

aw_pro007_b3.jpg
Geringste Mengen eines Trisiloxantensids reichen aus, um ein Pflanzenblatt innerhalb weniger Sekunden vollständig zu benetzen (Quelle: Oliver Happel/TZW).
Studie zum Einfluss von Silikontensiden auf die Rohwasserqualität von Wasserwerken

Kurzbeschreibung

Es wurde eine Studie zur Bedeutung der bisher im Umweltbereich noch kaum beachteten Stoffklasse der Polyethertrisiloxan-Tenside in den Rohwasserressourcen erstellt, um ein mögliches Gefährdungspotential dieser naturfremden Stoffe (Xenobiotika) aus anthropogenen Quellen frühzeitig abschätzen zu können.

Organosilikontenside werden seit etwa 1950 hergestellt, und ihre Anwendungen haben seither stark zugenommen und umfassen die Herstellung von Polyurethanschäumen sowie den Einsatz in Körperpflegemitteln, Lacken und Farben, kosmetischen Produkten, Polituren u.v.a.m. Insbesondere Trisiloxantenside zeigen ein hervorragendes Benetzungs- und Ausbreitungsverhalten. Diese Eigenschaften kommen u. a. beim Einsatz dieser anthropogenen Stoffe als Formulierhilfsmittel in Pflanzenschutzmitteln zum Tragen („Superwetters“ und „Superspreaders“).

Im Rahmen des DVGW-Projekts W 2-01-10 „Studie zum Einfluss von Silikontensiden auf die Rohwasserqualität von Wasserwerken“ wurde analytische Pionierarbeit geleistet, um ausgewählte, wichtige Trisiloxantenside im Spurenbereich aus Wasser analysieren zu können. Mithilfe dieser neuen analytischen Methode wurden u.a. Stabilität und Verlagerungsverhalten ins Grundwasser anhand von Laborversuchen mit einem repräsentativen Tensid getestet sowie Untersuchungen von Oberflächenwässern durchgeführt. Adsorption und Hydrolyse wurden als wichtige Eliminationsmechanismen in der Umwelt für diese Stoffklasse abgeleitet. Danach ist ein Eintrag von Trisiloxantensiden ins Grundwasser unwahrscheinlich. In Oberflächenwässern wurden nur im Einzelfall geringe Spuren im ng/L-Bereich gefunden. Durch Hydrolyse entsteht eine Reihe von Transformationsprodukten, von denen einige identifiziert wurden. Deren weiterer Verbleib sowie ihre Wirkungen auf die Umwelt können derzeit nicht beurteilt werden, da diese Transformationsprodukte analytisch noch schwieriger zu fassen sind als die Tenside selbst und außerdem keine toxikologischen und ökotoxikologischen Daten hierzu vorliegen.

Weitere Informationen

A. Michel, H.-J. Brauch, E. Worch, F.T. Lange (2012). Development of a liquid chromatography tandem mass spectrometry method for trace analysis of trisiloxane surfactants in the aquatic environment: An alternative strategy for quantification of ethoxylated surfactants. Journal of Chromatography A 1245, 46-54.

A. Michel, H.-J. Brauch, E. Worch, F.T. Lange (2014). Homologue specific analysis of a polyether trisiloxane surfactant in German surface waters and study on its hydrolysis. Environmental Pollution 186, 126-135.

F.T. Lange, A. Michel (2015). Bedeutung von Silikontensiden für die Wasserversorgung. energie | wasser-praxis 3/2015, 56-62

Kontakt

Dr. Frank Thomas Lange
Karlsruher Straße 84
76139 Karlsruhe
Deutschland

Tel.: +49 721 9678-157
Fax: +49 721 9678-104
E-MailVisitenkarte downloaden

Förderung

DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. – Technisch-wissenschaftlicher Verein

Projektdauer

10/2011 - 10/2014