Trinkwasserrelevanz anthropogener Stoffe bestimmen

Wenn im Wasserfach über kleine, polare und mobile Stoffe gesprochen wird, sprechen Wissenschaftler oftmals von PMT/vPvM-Stoffen, PMOC, SMS und Hot-Targets und es fällt nicht immer leicht, hier den Überblick zu behalten. 

Gemeinsames Projekt von Umweltbundesamt und TZW

Zwar haben wir es mit formal unterschiedlichen Begrifflichkeiten und teilweise auch Definitionen zu tun, aber im Prinzip verfolgen diese Klassifizierungen alle den gleichen Zweck, nämlich trinkwasserrelevante Stoffe zu identifizieren und unsere Gewässer sowie unser Trinkwasser vor schädlichen Einflüssen zu schützen. Das Umweltbundesamt und das TZW waren bereits in der Vergangenheit sehr engagiert, die Trinkwasserrelevanz anthropogener Chemikalien anhand ihrer intrinsischen Stoffeigenschaften bzw. aus den zur Stoffregistrierung vorgelegten Daten abzuleiten. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt werden nun zusammen mit anderen Partnern diese Kräfte und Expertisen im Sinne eines vorbeugenden Ressourcenschutzes gebündelt.

Zum vorsorglichen Schutz der Umwelt und der menschlichen Gesundheit ist gemäß des Minimierungsgebots der Trinkwasserverordnung der Eintrag persistenter Chemikalien in Oberflächengewässer und Grundwasser zu vermeiden oder so niedrig zu halten, wie vernünftigerweise erreichbar. Dies nennt man auch das ALARA-Prinzip (As Low As Reasonably Achievable). Dennoch kommt es vor, dass anthropogene Stoffe auch in aufbereitetem Trinkwasser nachgewiesen werden können. Im Auftrag des Umweltbundesamtes arbeiten nun Forscher von TZW, IWW, der Hochschule Fresenius und dem Norwegian Geotechnical Institute gemeinsam daran, dass Beeinträchtigungen der Wasserressourcen der Vergangenheit angehören und dem Vorsorgeprinzip auch international mehr Bedeutung zugemessen wird. Zunächst sollen alle bis Mitte 2019 unter der REACH-Verordnung registrierten Stoffe hinsichtlich ihrer PMT/vPvM-Eigenschaften bewertet werden (PMT: persistent, mobil, toxisch bzw. vPvM: sehr persistent und sehr mobil) und eine Priorisierung der Stoffe erfolgen. Im weiteren Verlauf wird die Befundlage dieser Stoffe in den europäischen Trinkwasserressourcen mittels Literaturrecherche und Wasseranalysen geprüft.

Emissionsminderung mit Hilfe der REACH-Verordnung erreichen

Im Nachgang wird das TZW die Wirksamkeit technischer Entfernungsmöglichkeiten als Maßnahmen der Risikobeherrschung hinsichtlich ihrer Anwendung auf die relevantesten Stoffe prüfen.

Übergeordnetes Ziel dieses Vorhabens ist es, das gefährlichkeitsbasierte Management unter der EU-Chemikalienverordnung REACH weiter auszugestalten. Es sollen Regulatorische Management Optionsanalysen (RMOA) erarbeitet und dem Umweltbundesamt ca. 10 Stoffe für eine Regulierung unter REACH empfohlen werden, denn Emissionsminderung ist immer noch der effektivste Gewässer- und Ressourcenschutz. Dieser Ansatz stimmt im Übrigen auch mit der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie überein.

Projekt

PMT/vPvM-Stoffe: Identifizierung und Regulierung unter REACH

Links

Wissenschaftlicher Artikel zu SMS-Stoffen (Substances from Multiple Sources)
UBA-Bericht zu PMT/vPvM-Stoffen
Artikel zu Priorisierungs- und Regulierungsvorhaben in Deutschland

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