TZW-Forschung zu SARS-CoV-2 in der aquatischen Umwelt

Abwasserproben können Hinweise auf Infektionsherde mit dem SARS-CoV2-Virus geben.

Im Auftrag des DVGW haben Wissenschaftler am TZW etwa 300 Studien und andere Literatur zu SARS-CoV-2 ausgewertet und zusammengefasst. So ist der aktuelle Stand des Wissens übersichtlich und fachlich fundiert verfügbar. Darüber hinaus arbeiten die Experten für Mikro- und Molekularbiologie am TZW zielgerichtet zur systematischen Erfassung und Messung von Abwasser, um so mögliche Infektionsherde im Rahmen von Monitoringprogrammen erkennen zu können. Der Nachweis von SARS-CoV-2 im Abwasser könnte so in Zukunft als Frühwarnsystem dienen.

Die COVID-19-Pandemie steht aktuell im Fokus des öffentlichen Interesses. Das neuartige Virus kann eine sehr schwere und zum Teil tödliche Atemwegserkrankung verursachen. Seit den ersten Berichten, dass das neuartige SARS-CoV-2 von einem Teil der infizierten Personen über den Verdauungstrakt ausgeschieden wird, wuchs die Besorgnis über eine mögliche Übertragung dieses Virus über den Wasserpfad. Aus diesem Grund führte das TZW auf Vorschlag des „DVGW-Forschungsbeirates Wasser“ eine Literaturstudie durch. Sie fasst den derzeitigen Stand des Wissens zum Vorkommen und Verhalten von SARS-CoV-2 in der aquatischen Umwelt zusammen.

Die Studie belegt die Aussage, dass die Gefahr der Infizierung über das Trinkwasser sehr gering ist. Grundlage ist die Tatsache, dass COVID-19 von Mensch zu Mensch übertragen wird. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion bei direktem Kontakt oder durch den Kontakt über die Hände. Außerdem stellt in Deutschland das in der Wasserversorgung seit Jahrzehnten eingeführte Multi-Barrieren-System bestehend aus Ressourcenschutz, Wassergewinnung, Wasseraufbereitung und Wasser­verteilung eine sichere Grundlage zur Gewährleistung einer hohen Wasserqualität dar. Das Trinkwasser ist deshalb sehr gut gegen alle Viren geschützt. Basierend auf der Tatsache, dass SARS-CoV-2 eine Membranhülle besitzt, wird davon ausgegangen, dass das Virus im Wasser leichter inaktiviert wird und weniger stabil ist als die unbehüllten Enteroviren und Indikatorviren, die regelmäßig überwacht werden. Es reagiert aufgrund der fetthaltigen Membranhülle empfindlicher auf Umwelteinflüsse wie Hitze und auf Desinfektionsmittel.

Eine Verbreitung von SARS-CoV-2 über den Trinkwasserpfad ist daher höchst unwahrscheinlich. Gleichzeitig sind spezifische Methoden verfügbar, die für eine gezielte Kontrolle des Trinkwassers weiterentwickelt werden können. Die Auswertung der wissenschaftlichen Literatur zur klinischen Diagnostik wie auch zum Monitoring und zur Risikobewertung wird kontinuierlich aktualisiert.

Der Nachweis von SARS-CoV-2 im Abwasser besitzt ein hohes Potenzial für ein integrales Monitoring der COVID-19-Infektionsraten in einem Einzugsgebiet und soll in Zukunft als Frühwarnsystem für steigende Infektionszahlen genutzt werden. Deshalb wird am TZW derzeit die Nachweismethodik von SARS-CoV-2 in Abwässern etabliert.

> Weitere Informationen zur Literaturstudie auf der DVGW-Website

 

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