Im Projekt NEW WATER werden Abwasser, Regenwasser und belastetes Oberflächenwasser als Ressourcen für Wasser in Trinkwasserqualität wissenschaftlich bewertet.
Der fortschreitende Klimawandel, längere Trockenperioden, steigende Temperaturen und eine wachsende Nachfrage aus Siedlung und Industrie setzen die etablierten Wasserressourcen in Nordwesteuropa zunehmend unter Druck. Vor diesem Hintergrund untersucht das Interreg-NWE-Projekt NEW WATER, wie neue, nachhaltige Quellen für Wasser in Trinkwasserqualität erschlossen werden können. Im Mittelpunkt stehen drei alternative Ressourcen: Abwasser, Regenwasser und belastetes Oberflächenwasser. Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte und zugleich praktisch umsetzbare Lösungen zu entwickeln, die die Versorgungssicherheit langfristig erhöhen und die Klimaresilienz von Kommunen, Wasserversorgern und Industrie stärken.
NEW WATER vereint 16 Partner aus Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Deutschland. In zwei transnationalen Pilotaktionen mit insgesamt sieben Pilotstandorten werden unterschiedliche Ansätze zur Erzeugung von Wasser in Trinkwasserqualität erprobt und bewertet. Dazu zählen sowohl großtechnische zentrale Systeme als auch zirkuläre dezentrale Anwendungen.
Das Projekt soll Akteure in Nordwesteuropa dabei unterstützen, technologische, regulatorische, ökonomische, sicherheitsbezogene und gesellschaftliche Fragestellungen systematisch zu adressieren. Ergänzend sind Schulungsangebote für Wasserversorger, Industrie und Behörden sowie Vernetzungs- und Coachingformate vorgesehen, um den Transfer in die Praxis zu beschleunigen.
Das TZW bringt in NEW WATER insbesondere seine Expertise in der Wassermikrobiologie, Wasserchemie, Wasseraufbereitung und analytischen Bewertung von Wasserqualitäten ein. Im Projekt arbeitet das TZW eng mit der KU Leuven zusammen, um vorhandene Daten zu physikalischen, chemischen und mikrobiologischen Parametern der verschiedenen Wasserquellen zusammenzuführen und auszuwerten. Darüber hinaus unterstützt das TZW zusätzliche Untersuchungen an den Pilotstandorten sowie die Entwicklung gezielter Monitoring- und Analysepläne. Ein zentraler Beitrag des TZW liegt in der Anwendung und Weiterentwicklung quantitativer mikrobieller Risikoanalysen (QMRA), mit denen bewertet werden kann, ob die untersuchten Aufbereitungskombinationen eine Wasserqualität erreichen, die den Anforderungen an Trinkwasser entspricht.
Darüber hinaus unterstützt das TZW die Pilotpartner bei der Probenahme und bei Analysen mikrobieller Indikatoren. Die daraus abgeleiteten Bewertungsparameter sind wesentlich für die Risikobewertung der Pilotanlagen und fließen in das Umsetzungshandbuch ein. Zusätzlich wirkt das TZW an einem Rahmenkonzept für gemeinsame Water Safety Plans mit und beteiligt sich an den transnationalen Kompetenzteams. Damit leistet das TZW einen wesentlichen Beitrag zur wissenschaftlich belastbaren Bewertung neuer Wasserquellen und zur Überführung von Forschungsergebnissen in anwendungsorientierte Strategien für eine klimaresiliente Wasserversorgung.
Zu den erwarteten Ergebnissen des Projekts zählen belastbare Monitoring- und Bewertungsansätze, ein validiertes Umsetzungshandbuch, Trainings- und Austauschformate für relevante Akteurgruppen sowie eine verbesserte Grundlage für das Upscaling und die großtechnische Erschließung neuer Wasserquellen in Nordwesteuropa. NEW WATER trägt damit dazu bei, die Verfügbarkeit von Wasser in Trinkwasserqualität auch unter den Bedingungen zunehmender Dürreereignisse nachhaltig zu sichern.