Risikomanagement für Einzugsgebiete von Trinkwassertalsperren

Methodische Erweiterung und praktische Umsetzung der DIN EN 15975-2 für Talsperren

Staumauer und Entnahmeturm einer Trinkwassertalsperre

Das Risikomanagement in der Trinkwasserversorgung ist ein wirksames Instrument, um Beeinträchtigungen der Versorgungssicherheit vorzubeugen. 

Für die Landestalsperrenverwaltung (LTV) Sachsen hat das TZW neue methodische Ansätze für die Anwendung in Einzugsgebieten von Talsperren entwickelt und mittlerweile an mehreren, teils komplexen Talsperrensystemen der LTV erfolgreich in die Praxis umgesetzt. 

Besondere Schwerpunkte waren dabei methodische Aspekte - wie die systematische Bewertung der Schutzwirkung des Einzugsgebiets - sowie strategisch-organisatorische Erfahrungen zur Einbindung der relevanten Akteure im Einzugsgebiet in die Risikoabschätzung.
 

Die öffentliche Trinkwasserversorgung im Freistaat Sachsen wird zu großen Teilen aus Trinkwassertalsperren realisiert. Deren Schutz ist in Sachsen daher existenziell.

In mehreren Teilprojekten wurden vom TZW Risikomanagementsysteme zur Umsetzung der DIN EN 15975-2 („Sicherheit der Trinkwasserversorgung – Leitlinien für das Risiko- und Krisenmanagement) für bislang zwei Talsperren und ein komplexes Talsperrensystem umgesetzt.

Ein Schwerpunkt lag dabei auf den die Wassergüte betreffenden Risiken. Dabei wurden mehrfach Synergien zu anstehenden Schutzgebietsüberarbeitungen entsprechend DVGW W 102 erschlossen.

Systematische Gefährdungsanalyse

Die Arbeiten umfassten die Entwicklung und Anwendung eines praktikablen Ansatzes zur Gefährdungsanalyse und Risikoabschätzung, um systematisch die Auslöser und Gefährdungen in den Einzugsgebieten und bei der Rohwassergewinnung zu bewerten.

Zur Bewertung der Schutzwirkung des Einzugsgebietes von Talsperren wurden neue Module entwickelt, die folgende Aspekte berücksichtigen:

  1. Standortfaktoren, die die Bildung von oberirdischen oder oberflächennahen Abflusskomponenten beeinflussen.
  2. Umstände, die Einträge bzw. deren Weitertransport über das Gewässersystem hemmen.
  3. Retentionswirkung der Hauptsperre nach Schichtungsdauer und Verweilzeit.

Bei Talsperren-Systemen aus mehreren Talsperren mit Bei- oder Überleitungen aus anderen Einzugsgebieten wurde die Vorgehensweise erfolgreich an die deutlich komplexere Lage und Betriebsweise angepasst.

Für die erfassten Auslöser wurde lageabhängig spezifisch ermittelt, ob sie signifikante Risiken für die Wasserversorgung darstellen. Die Vorgehensweise wurde mit einem Geographischen Informationssystem (GIS) umgesetzt, so dass der für das Risikomanagement im Einzugsgebiet unabdingbare Raumbezug der Informationen erhalten blieb.

Aufbauend auf der Risikoabschätzung wurden Maßnahmen der Risikobeherrschung dokumentiert und möglicher Handlungsbedarf aufgezeigt.

Projektkoordination und Einbindung von Dritten

Alle Schritte und Bewertungen erfolgten in enger Abstimmung mit dem LTV-Projektteam. In projektbegleitenden Arbeitskreisen waren jeweils die Rohwasserabnehmer sowie Vertreterinnen und Vertreter der zuständigen Ämter und Fachbereiche sowie der Abwasserzweckverbände eingebunden. So fand ein intensiver fachlicher Austausch mit allen Beteiligten und die konstruktive Koordinierung des Risikomanagementprozesses statt. In Arbeitskreistreffen erfolgte die Präsentation und Diskussion von Zwischenergebnissen sowie die abschließende Ergebnispräsentation.

Im Ergebnis wurde vom TZW jeweils ein Fachvorschlag für ein praktikables Risikomanagementsystem erarbeitet, das nun bei der LTV zur Verfügung steht.

 

Veröffentlichungen:

Sturm, S.; Villinger, F.; Kiefer, J. (2016a): Neuer Ansatz zum Risikomanagement für Talsperren-Einzugsgebiete – Teil 1. DVGW energie | wasser-praxis 5: 66 - 73

Sturm, S.; Villinger, F.; Kiefer, J. (2016b): Neuer Ansatz zum Risikomanagement für Talsperren-Einzugsgebiete – Teil 2. DVGW energie | wasser-praxis 6/7: 80 – 86

 

 

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