Das europäische Forschungsprojekt PFAROS ist am 1. September 2026 offiziell gestartet. Das TZW beteiligt sich an dem Projekt, dessen Ziel es ist, sichere, wirksame und skalierbare Alternativen zu per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) für eine Vielzahl von Anwendungen im Gesundheitssektor zu entwickeln.
PFAS werden aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften im gesamten Gesundheitssektor unter anderem in Polymeren, Beschichtungen, Verarbeitungshilfsmitteln und Komponenten für analytische Synthesen eingesetzt. Aufgrund ihrer hohen Beständigkeit verbleiben sie jedoch sehr lange in der Umwelt. Ihr Ersatz ist gerade im Gesundheitssektor besonders anspruchsvoll, da Funktionalität, Produktqualität und Sicherheit weiterhin gewährleistet sein müssen.
PFAROS verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und betrachtet den gesamten Lebenszyklus dieser Substanzen und der Materialien, in denen sie eingesetzt werden. Zunächst werden die PFAS-Anwendungen entlang der globalen Lieferkette des Gesundheitssektors erfasst. Zudem identifiziert das Projekt Möglichkeiten für einen verbesserten Datenaustausch zwischen den beteiligten Akteuren. Digitale Werkzeuge sollen sicherstellen, dass die gewonnenen Erkenntnisse für Fachkräfte im Gesundheitswesen leicht zugänglich und praktisch nutzbar sind.
Darüber hinaus wird PFAROS PFAS-Alternativen entwickeln und bewerten. Untersucht werden ihre Qualität und Sicherheit, mögliche Expositionspfade sowie Risiken für die menschliche Gesundheit. Reproduzierbare Risikobewertungen sollen eine schnelle und ressourceneffiziente Auswahl geeigneter Alternativen unterstützen. Ebenso berücksichtigt werden das Lebenszyklusmanagement, die Kreislauffähigkeit und die Behandlung fester und flüssiger Abfallströme. Die Bewertung erfolgt nach dem europäischen Rahmenkonzept „Safe and Sustainable by Design“.
PFAROS wird einen europäischen Fahrplan zur Verringerung und letztlich vollständigen Vermeidung von PFAS-Emissionen im Gesundheitssektor erarbeiten. Dazu arbeitet das Projekt eng mit Akteuren aus Industrie, Wissenschaft, Gesundheitswesen, Regulierungsbehörden und Zivilgesellschaft zusammen. Das Konsortium vereint mehr als 90 Partner und deckt Fachgebiete von der analytischen Chemie, Toxikologie und Materialwissenschaft über Umweltingenieurwesen und künstliche Intelligenz bis hin zur Politikberatung ab.
Das TZW übernimmt bei PFAROS eine zentrale Rolle. Es leitet das Arbeitspaket „Stakeholder Engagement and Change Management“ und stellt damit sicher, dass die Projektergebnisse entlang der gesamten Lieferkette erfolgreich verbreitet und genutzt werden. Zudem verantwortet das TZW die übergeordneten Arbeiten zur Behandlung flüssiger Abfallströme. Dabei werden skalierbare und effiziente Methoden zur Behandlung komplexer Krankenhaus- und Pharmaabwässer entwickelt. Sowohl etablierte Konzentrierungsverfahren als auch fortschrittliche Zerstörungsverfahren werden betrachtet, um integrierte Verfahrensketten für eine erfolgreiche Schadstoffbeseitigung bereitzustellen.
Das Projekt läuft von September 2026 bis August 2031. Es wird vom Gemeinsamen Unternehmen „Initiative zu Innovation im Gesundheitswesen“ (Innovative Health Initiative Joint Undertaking, IHI JU) im Rahmen der Finanzhilfevereinbarung Nr. 101251281 unterstützt. Die Finanzierung erfolgt durch die Europäische Union über Horizon Europe sowie durch die privaten Mitglieder und weitere beitragende Partner des IHI JU.
Weitere Informationen: Projektseite PFAROS