Neue Werkzeuge zur Bewertung von Temperaturrisiken in Trinkwasserverteilungsnetzen

Temperaturkarte eines Trinkwasserverteilungsnetzes

Temperaturkarte eines Trinkwasserverteilungsnetzes

Steigende Temperaturen und längere Hitzeperioden stellen Wasserversorgungsunternehmen vor neue Herausforderungen. Ein zentrales Thema dabei sind erhöhte Wassertemperaturen in Trinkwasserverteilungsnetzen. Im DVGW-Forschungsvorhaben EWaT (Erhöhte Wassertemperaturen im Trinkwassernetz) hat das TZW gemeinsam mit 16 Wasserversorgungsunternehmen aus Deutschland und der Schweiz sowie der RBS wave GmbH die Ursachen dieser Temperaturentwicklungen untersucht. Die Ergebnisse zeigen erstmals umfassend, welche Faktoren die Erwärmung des Trinkwassers beeinflussen und wie sich Temperaturrisiken künftig bewerten lassen. 

Die Messungen bestätigten, dass erhöhte Wassertemperaturen in vielen Versorgungsnetzen bereits heute betriebliche Realität sind. In allen untersuchten Netzen wurden Temperaturen von mindestens 20 °C gemessen, in mehreren Fällen sogar über 25 °C. Einzelne Messstellen erreichten Temperaturen von bis zu 30 °C.

Die Untersuchungen zeigen, dass die Temperaturentwicklung im Netz durch das Zusammenspiel von Klima, Boden und Netzhydraulik bestimmt wird. Während sommerliche Hitzeperioden das Temperaturniveau im gesamten Netz anheben, entscheiden vor allem die Fließverhältnisse darüber, wo besonders hohe Temperaturen auftreten. Leitungsabschnitte mit langen Aufenthaltszeiten des Wassers, beispielsweise Stichleitungen, erwärmen sich deutlich stärker als gut durchströmte Hauptleitungen. 

Eine wichtige Rolle spielt zudem der Boden als thermischer Speicher. Wärme dringt zeitverzögert in tiefere Bodenschichten ein und kann dort über mehrere Tage gespeichert werden. Dadurch können erhöhte Wassertemperaturen auch dann noch auftreten, wenn die Lufttemperatur bereits wieder gesunken ist. Gleichzeitig beeinflussen die örtlichen Gegebenheiten den Wärmeeintrag erheblich: Unter sonnigen Asphaltflächen wurden deutlich höhere Bodentemperaturen gemessen als unter beschatteten Bereichen. 

Für die Forschung wurden umfangreiche Messdaten mit numerischen Modellen kombiniert. Diese ermöglichen es, temperaturkritische Netzbereiche zu identifizieren, Ursachen zu analysieren und mögliche Auswirkungen zukünftiger Klimabedingungen zu bewerten. Damit stehen Wasserversorgungsunternehmen erstmals wissenschaftlich fundierte Werkzeuge zur Verfügung, um Temperaturrisiken systematisch in Planung, Betrieb und Risikomanagement einzubeziehen. 

Die Ergebnisse des Projekts EWaT unterstreichen, dass die Anpassung der Trinkwasserversorgung an steigende Temperaturen und längere Hitzeperioden ein zunehmend wichtiges Zukunftsthema ist. Gleichzeitig schaffen sie eine belastbare Grundlage für die Entwicklung technischer Regelwerke und gezielter Maßnahmen, um die Versorgungssicherheit auch unter veränderten klimatischen Bedingungen langfristig zu gewährleisten.

Ein ausführlicher Bericht zum Projekt ist in der DVGW energie | wasser-praxis 09/2026 erschienen. Den vollständigen Beitrag können Sie in Kürze als PDF herunterladen oder auf unserer Projektwebseite nachlesen.

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